Meine JAPAN-Reise 2026
Erlebnisreiche Tage im »Land der aufgehenden Sonne«
Es war eine »Mission«, die vor mehreren Monaten begonnen hat. Als feststand, dass ich in diesem Jahr ein weiteres Mal am »Großen Treffen« des Alljapanischen Iaidô-Verbandes in Kyôto teilnehmen werde, begann meine akribische Vorbereitung dieser Reise. Doch selbstverständlich wollte ich meine Reise nach Japan auch mit der Möglichkeit verbinden wieder in den »Heiligen Hallen« der JKA (Japan Karate Association) in Tôkyô zu trainieren.
Karate-Training im Honbu-Dôjô der JKA
Um recht kurze Wege zum Training zu haben, habe ich mich in Tôkyô ganz in der Nähe des Honbu-Dôjô einquartiert. Das mehrstöckige Gebäude der JKA (Japan Karate Association) liegt recht versteckt in einer Seitenstraße und ist von außen zunächst nur am japanisch beschrifteten Hinweisschild zu erkennen. Es war warm und recht schwül an diesen Tagen und so war ein schweißtreibendes Training bereits vorprogrammiert. Die Trainingseinheiten bei Yûtarô Ôgane-Sensei und Hidemoto Kurihara-Sensei waren sehr intensiv und anstrengend. Dennoch hat es sehr viel Spaß gemacht! Es gibt auch nach vielen Jahren Karate-Training immer noch Kleinigkeiten zu entdecken, mit denen wir unsere eigenen Techniken und Kenntnisse verbessern können. Ein herzliches Wiedersehen gab es mit Hiro Suzuki-Sensei. Colin und ich haben ihn bei unserem Trainingsaufenthalt im Januar 2024 im Honbu-Dôjô kennengelernt.
Von Tôkyô nach Kôchi
Ein Inlandsflug brachte mich vom Flughafen Tôkyô-Haneda über eine Flugstrecke von rund 600 Kilometern nach Kôchi (Shikoku, Süd-Japan). Als wir entlang der japanischen Ostkünste an der Präfekturgrenze zwischen Yamanashi und Shizuoka vorbeiflogen, hatte ich von meinem Sitzplatz auf der rechten Seite des Flugzeugs – aus einer Flughöhe von 8.500 Metern – bei klarer Sicht einen wunderbaren Blick auf den majestätischen Fujisan. Der Trainingsaufenthalt bei meinem Iaidô-Lehrer Motomu Tanaka-Sensei (9. Dan Hanshi) in Nakamura (Präfektur Kôchi), die Vorbereitung auf das Taikai und die anstehende Kyôshi-Prüfung waren weitere Etappenziele meiner Tage in Japan. Im Karate gibt es diese speziellen Prüfungen, die wir im Iaidô haben, nicht. Die Prüfung zum Kyôshi folgt auf den 7. Dan. Das Internet erklärt den Kyôshi mit der nachfolgenden Definition
Kyôshi – Lehrer des Weges
Kyôshi (教士) ist ein hoher Ehrentitel in den japanischen Budô-Kampfkünsten, der wörtlich als »Lehrer« oder »Lehrer des Weges« übersetzt wird. Als Kyôshi wird ein Experte bezeichnet, der nicht nur über ausgeprägte technische Fähigkeiten verfügt, sondern auch tiefes Verständnis für die theoretischen Hintergründe und historischen Wurzeln der Kampfkünste besitzt.
Teilnahme am »Taikai« des Alljapanischen Iaidô-Verbandes in Kyôto
Vom 3. – 5. Mai 2026 fand das Taikai in Kyôto statt. Das »Große Treffen« (jap. Taikai) ist eine jährliche Großveranstaltung des Alljapanischen Iaidô-Verbandes ZNIR (Zen Nihon Iaidô Renmei). Am Sonntag, den 03.05.2026 war die feierliche Eröffnungszeremonie des dreitägigen Taikai. Meine Iaidô-Vorführung (jap. Enbu) am zweiten Taikai-Tag war die Vorübung für den großen Prüfungstag am Dienstag. Es klingt harmlos und lernbar, doch selbst die Fragen für die Theorieprüfung wollten nicht so richtig in meinen ausgemergelten Kopf. Erst als ich in Japan ankam, füllten sich nach und nach die letzten Lücken. Als die schriftliche Theorieprüfung vorbei war, fiel mir bereits ein kleiner Stein vom Herzen. Und dann hieß es warten, weil die Prüfungen für den Kyôshi erst am Nachmittag stattfanden. Ich musste mich mächtig anstrengen, um meine Aufregung zu unterdrücken!
Glücklich nach erfolgreich bestandener Prüfung
Ich habe versucht auszublenden, dass nicht nur das Oberhaupt des ZNIR, Masato Fukui-Sôke und 20 Schiedsrichter die Prüfungen aufmerksam verfolgten, sondern auch weitere rund 100 Zuschauer, die zu den fachkundigen Teilnehmern des Taikai gehörten. Doch es hat alles recht gut geklappt! Ich durchlief alle Pflichtformen und mein freies Kata-Programm, wie ich es unzählige Mal geübt hatte. Dass ich bereits beim Training mit Tanaka-Sensei in Nakamura, bei meiner Vorführung und bei der Prüfung ein »Shinken« – so nennen wir unsere superscharfen »echten Schwerter« aus geschmiedetem Stahl – in der Hand hatte, hatte ich fast schon vergessen. Es ist unglaublich, wie ich mit dem Shinken zu einer Einheit verschmolzen bin. Darüber war ich selbst ein wenig erstaunt! Aber das perfekte Verschmelzen von Schwert, Körper und Geist ist im Iaidô ja unser Ziel! Meine Finger blieben auch alle dran. Wenn man sich bei der Prüfung mit dem Schwert schneidet, gilt die Prüfung definitiv als nicht bestanden. Das gab es tatsächlich leider auch schon. Ich habe mich glücklicherweise noch nie geschnitten und das darf auch so bleiben!
Anerkennende Worte von Tanaka-Sensei
Nach der Prüfung meinte Tanaka-Sensei: »Du musst das, was wir besprochen haben, noch intensiv üben. Aber für heute hast Du alles gut gemacht ... yoku dekita!«. Es war eine riesengroße Freude für mich diese anerkennenden Worte von Tanaka-Sensei zu hören. Da fiel eine mega-große Anspannung ab, weil er auch mit meiner Leistung zufrieden war. Daher freue ich mich ganz besonders, dass ich beim Taikai diese hohe Prüfung bestanden habe! Tanaka-Sensei hat mich abermals herzlich bei sich zuhause aufgenommen und rührend umsorgt. Unsere gemeinsamen Trainingsstunden habe ich sehr genossen und versucht seine wertvollen Hinweise bestmöglich umzusetzen. Auch außerhalb des Dôjô hat sich Tanaka-Sensei liebevoll um mich gekümmert, wofür ich ihm sehr dankbar bin! (◠‿◠)
Unter 560 Teilnehmern nur drei Nicht-Japaner!
Dieses Jahr waren es 560 Teilnehmer beim Taikai und die Zahl der Nicht-Japaner noch viel überschaubarer als in den Vorjahren. Mit Henrik Johann Fürstenberg aus Dänemark, Ally Lawson aus Texas und mir waren wir nur zu dritt. Wobei Henrik und Ally schon seit vielen Jahren in Japan leben. Eines war gewiss – wir waren als Ausländer unter allen Teilnehmern sofort gut zu erkennen. Inspirierende Begegnungen, sehr nette Austausche mit den Einheimischen und das tiefe Eintauchen in diesen faszinierenden »Kosmos« prägten die Tage in der alten Kaiserstadt. Durch die erfolgreich bestandene Kyôshi-Prüfung wurden die Trainingsanstrengungen der vergangenen Monate wunderbar belohnt! (◠‿◠)
Spendenübergaben im Rahmen unseres JAPAN-Hilfsprojekts »Von Herz zu Herz«
Nach dem Taikai führte mich meine Reise nach Nord-Japan in die Tôhoku-Region. Es war eine abermalige Rückkehr in die Katastrophengebiete von damals. Das Ausmaß der Verwüstungen, die durch das Erdbeben und den Tsunami am 11. März 2011 entstanden sind, ist auch heute – 15 Jahre nach der Katastrophe – noch unglaublich! 28.000 Häuser wurden in diesem Ort zerstört. Von den 18.500 Opfern der Katastrophe verloren allein in Ishinomaki 4.000 Menschen ihr Leben. Ich wollte mich ein weiteres Mal mit Shigeki Shibata – Gründer und Leiter des Kinderhilfswerks »Nijiiro-kureyon« – in Ishinomaki treffen. Und auch mit Professor Hitoshi Shiwaku von der Tôhoku-Universität in Sendai war ein Treffen geplant. Ich hatte zwei symbolische Spendenschecks vorbereitet, die ich Shibata-san und Shiwaku-Sensei übergeben wollte. Je 300.000 Yen – jeweils rund 1.600 EUR – sollten an das Kinderhilfswerk und an das Kinderheim »Aoba Gakuen« in Fukushima gehen.
Wiedersehen mit Shigeki Shibata in Ishinomaki
Im März 2025 hat uns Shigeki Shibata zum ersten Mal in Deutschland besucht. Jetzt gab es ein herzliches Wiedersehen mit ihm und seiner Familie in Ishinomaki! Nach meiner Ankunft besuchten wir den Hiyoriyama-Park und den »Ishinomaki Minamihama Tsunami Memorial Park«. Diese weitläufige Anlage erinnert an die Auswirkungen und Verwüstungen der Tsunami-Katastrophe. Schreckliche Bilder der Kadonowaki-Grundschule gingen damals um die Welt. Das schwer beschädigte Gebäude ist heute ein Mahnmal und erinnert mit zahlreichen Fotos auf Gedenktafeln an die Zeit vor der Katastrophe. Die Übergabe des symbolischen Spendenschecks erfolgte in den Räumen des Nijiiro-kureyon. Shibata-san und sein Team bedankten sich sehr für unsere abermalige Spendenunterstützung!
Unsere »Deutsch-Japanische Freundschaft«
Am Abend hat mich Shigeki zu sich nach Hause zum Abendessen eingeladen und ich durfte alle Speisen genießen, die die japanische Küche zu bieten hat. Das war wunderbar! Da die meisten Japaner niemals freiwillig Englisch sprechen, haben wir uns ausschließlich auf Japanisch unterhalten. Und ich kann es selbst kaum glauben, wie super das funktioniert, wenn sich alle auf mein recht schlichtes Sprachniveau einlassen. Es gab nichts, über das wir uns nicht unterhalten konnten! (◠‿◠)
Am Folgetag reisten wir gemeinsam nach Matsushima, einem wunderschönen Küstenort zwischen Ishinomaki und Sendai. Dort verbrachten wir weitere schöne Stunden. Wir besuchten den bekannten Zen-Tempel »Zuigan-ji«, genossen ein herrliches Bad in einer heißen Onsen-Quelle und feierten unsere »Deutsch-Japanische Freundschaft«, die uns mittlerweile schon 15 Jahre miteinander verbindet. Einen Tag später fuhren wir weiter nach Sendai. Professor Hitoshi Shiwaku empfing uns auf dem Campus der Tôhoku-Universität. Gemeinsam besuchten wir die Aoba-Burg in Sendai. Vor dem Reiterdenkmal von Date Masamune übergab ich Shiwaku-Sensei den symbolischen Spendenscheck für das Kinderheim »Aoba Gakuen«. Am frühen Abend kehrte ich nach Tôkyô zurück.
Abendessen mit Synchronsprecher Tôru Tanabe
Ein weiteres Highlight war ein Treffen am Freitagabend vor meiner Abreise. Ich stehe seit längerer Zeit in Kontakt mit Tôru Tanabe. Tanabe-san ist die deutsche Stimme von Ken Watanabe alias »Moritsugu Katsumoto« aus dem Blockbuster »Last Samurai«. Ich habe Tôru zum Abendessen eingeladen. Seine Synchronsprecherstimme ist für Colin und mich seit vielen Jahren »Kult«. Wir können fast alle Dialoge aus diesem Film mitsprechen. Es war eine große Freude für mich, dass wir uns zum ersten Mal persönlich kennengelernt haben! (◠‿◠)
Am Samstag, den 9. Mai 2026 bin ich von dieser fantastischen Reise zurückgekehrt. Die tollen Erlebnisse dort werden mir sicherlich sehr lange Zeit in Erinnerung bleiben. Ein herzlicher Dank gilt meiner lieben Nikola und unsere Buben Colin und Dustin, die mich bei der Planung und Umsetzung dieser Japan-Reise umfangreich unterstützt haben. (◠‿◠)
Renchen, Mai 2026 John Görmann